Nachdem ich mir das Straßburger Münster angesehen habe, verbringe ich den restlichen Nachmittag im Maison de l'Oevre Notre-Dame, dem früheren Sitz der Münsterbauhütte, das heute ein historisches Museum beherbergt, in dem auch einige der Originalskulpturen vom Münster zu sehen sind.
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Das Maison de l'Oevre Notre-Dame besteht aus einem gotischen Haus aus dem 14. Jahrhundert mit einem Treppengiebel (links) und einem Renaissanceflügel aus dem 16. Jahrhundert mit einem Volutengiebel (rechts). Sogar ohne das Museum wäre das Gebäude selbst einen Besuch wert.
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Originalskulpturen der siegreichen Kirche (Ecclesia) links, und der besiegten Synagoge mit zerbrochenem Speer, verbundenen Augen und abgewandtem Blick rechts. Sie stammen vom Portal des südlichen Querschiffs des Straßburger Münsters. Heute sind dort Kopien angebracht. Die Aufstellung im Museum schützt die Originale vor Erosion und Verschmutzung. Im Hintergrund sind weitere Originalskulpturen und Architekturteile vom Münster zu sehen.
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Originalskulpturen der tugendhaften Jungfrauen von der Westfassade des Straßburger Münsters. Die Gefäße, die sie halten, sind Öllampen. Die Darstellung bezieht sich auf eine Parabel im Matthäusevangelium, in der zehn Jungfrauen auf den Einlass zu einem Hochzeitsfest warten. Fünf von ihnen bringen genug Öl mit um ihre Lampen am Brennen zu halten und werden eingelassen als der Bräutigam in der Nacht erscheint. Den fünf anderen geht das Öl aus und sie gehen weg um neues zu kaufen, wodurch sie die Ankunft des Bräutigams verpassen und vom Fest ausgeschlossen werden.
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Originalskulpturen des Verführers und zweier törichter Jungfrauen von der Westfassade des Straßburger Münsters. Die Schlangen und Kröten am Rücken des Verführers sind hier deutlich zu sehen. Während der modisch gekleidete, bekrönte Mann von vorne attraktiv wirkt weist das Ungeziefer auf seine bösartige Natur hin. Der Apfel, den er in der Hand hält, weist auf die Frucht vom Baum der Erkenntnis und auf den Sündenfall hin, nachdem Adam und Eva verführt wurden davon zu essen. Das lässt wenige Zweifel über die wahre Identität des Verführers offen. Wenn man genau hinsieht erkennt man, dass die Jungfrauen ihre Öllampen umgekehrt halten, ein Hinweis darauf, dass sie leer sind.
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Das Museum beherbergt eine Anzahl wunderschöner Buntglasfenster, die man sich hier aus der Nähe ansehen kann. Dieses Fenster aus dem 12. Jahrhundert stellt einen thronenden Kaiser dar.
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Das Maison de l'Oevre Notre-Dame hat auch einen schönen Garten.
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Der Balkon ist reich mit Holzschnitzereien verziert.
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Maria Entschlafung, Fragment einer Wandmalerei aus dem 15. Jahrhundert aus der Eglise Sainte-Madeleine de Strasbourg
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Diese sehr detaillierte Buntglasmalerei aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stellt die Anbetung der heiligen drei Könige dar.
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Das Archiv der Münsterbauhütte war ein feuer- und einbruchssicherer Raum in dem wichtige Dokumente aufbewahrt wurden.
Nach dem Museum beende ich den Tag mit einem Spaziergang durch die Altstadt, gehe etwas essen und zurück zum Hotel.
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Die Altstadt befindet sich auf einer Insel in der Ill.
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In der Stadt gibt es viele Fachwerkhäuser. Einer der malerischsten Orte in Straßburg ist La petite France ("Klein-Frankreich"). Der Ursprung des Namens ist allerdings viel weniger romantisch als das heutige Aussehen des Viertels: Im 16. Jahrhundert befand sich hier ein Krankenhaus für an Syphilis leidende Menschen. Der erste große Ausbruch der Krankheit ereignete sich im 15. Jahrhundert in der französischen Armee, weswegen Syphilis auch die "französische Krankheit" genannt wurde.
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Die Ponts couverts ("gedeckte Brücken") waren ein Teil der Stadtbefestigung. Heute sind nur noch die Türme erhalten.
Am nächsten Morgen will ich das elsässische Museum besuchen, das aber wegen Renovierung geschlossen ist. Daher starte ich mit dem historischen Museum (zum Glück sind alle diese Museen nah beisammen).
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Das historische Museum befindet sich in der großen Metzig (Metzgerei) aus dem 16. Jahrhundert, die den alten mittelalterlichen Schlachthof ersetzte.
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Diese Kanone mit dem Namen "Le Sompteux" (die Prachtvolle) von 1742 ist interessant weil sie den Standardmaßen der Zeit entspricht. Sie verschoss 24 Pfund (ca. 12 Kilogramm) schwere Kanonenkugeln.
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Diese Dekoration aus dem 16. Jahrhundert war ursprünglich Teil einer Hausfassade. Sie zeigt einen Turm mit zwei Soldaten, die Steine werfen.
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Schlitten aus dem 17./18. Jahrhundert.
Nach dem historischen Museum habe ich noch etwas Zeit bis die Museen im Palais Rohan öffnen, also beschließe ich mir eine der Kirchen in der Nähe anzusehen und entscheide mich für Saint-Pierre-le-Jeune, die "neue" Peterskirche. Diese romanische Kirche wurde Mitte des 11. Jahrhunderts von Papst Leo IX. eingeweiht, daher das Patrozinium des Heiligen Petrus, dessen Stellvertreter der Papst ist.
Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert erneuert, im 14. und 15. Jahrhundert wurden einige Kapellen hinzugefügt. Im 16. Jahrhundert wurde die Kirche protestantisch, und wurde schließlich im 17. Jahrhundert nach der französischen Eroberung der Stadt zwischen Protestanten und Katholiken aufgeteilt. Die französische Revolution und der Deutsch-Französische Krieg 1870-71 haben ihre Spuren in Form von Zerstörungen an der Kriche hinterlassen. Der heutige Zustand ist das Ergebnis von Restaurierungsarbeiten um 1900.
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Am Südportal von Saint-Pierre-le-Jeune befinden sich im Zentrum eine Darstellung von Christus und Reliefs mit Szenen der Passion. An den Seiten befinden sich Statuen der tugendhaften und törichten Jungfrauen. Das Portal wurde im späten 19. Jahrhundert im neugotischen Stil erschaffen weil die ursprünglichen Dekorationen der französischen Revolution zum Opfer gefallen waren. Ein genauer Blick auf die Kreuzigungsszene über der Tür lässt eine Darstellung der siegreichen Kirche links vom Kreuz und der besiegten Synagoge rechts vom Kreuz erkennen. Das Portal scheint bewusst auf das Straßburger Münster Bezug zu nehmen.
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Apostel und tugendhafte Jungfrauen auf der linken Portalseite. Die Sockel stellen die Monate Jänner bis Juni und zwei der vier Winde dar.
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Propheten des alten Testaments und törichte Jungfrauen auf der rechten Portalseite, mit Darstellungen der Monate Juli bis Dezember und der anderen beiden Winde. Es ist beachtesnwert, dass das die Seite der besiegten Synagoge am zentralen Relief über der Tür ist.
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Blick auf den Lettner (Chorschranke). Bis zum Konzil von Trient im 16. Jahrhundert trennte der Lettner den Klerus im Chor der Kirche von den Laien im Kirchenschiff. Während Jung-Sankt-Peter zwischen Protestanten und Katholiken aufgeteilt war, war der Lettner zugemauert und trennte so die beiden Konfessionen. Die Protestanten verwendeten das Kirchenschiff, während die Katholiken den Chor nutzten. Der Lettner selbst stammt aus dem 13. Jahrhundert, seine Malereien mit Darstellungen der Evangelisten sind aus dem 17. Jahrhundert. Die Orgel ist aus dem 18. Jahrhundert.
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Die Raumausstattung im Chor, wo die Katholiken die Messe feierten, stammt hauptsächlich aus der Barockzeit. Das zentrale Bild am Flügelaltar ist aus dem 16. Jahrhundert, seine seitlichen Tafeln wurden im 19. Jahrhundert ergänzt.
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Die Trinitatiskapelle wurde im 15. Jahrhundert an die Kirche angebaut. Das Taufbecken stammt ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert, während die Statuen um 1900 gefertigt wurden.
Das Kirchenschiff beherbergt beeindruckende mittelalterliche Wandmalereien, die im 19. Jahrhundert restauriert (und teilweise übermalt) wurden.
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Über der Empore befindet sich die "Navicella", eine Malerei aus dem 14. Jahrhundert, die die Jünger in einem Boot auf dem stürmischen See zeigt, während Jesus über das Wasser geht. Die Darstellung ist von einem heute verlorenen Mosaik von Giotto inspiriert, das die alte Peterskirche in Rom schmückte.
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Der "Zug der Nationen" stammt aus dem 14./15. Jahrhundert.
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Seelenwaage und Kreuzigung.
Ab dem 11. Jahrhundert war Jung-Sankt-Peter eine Stiftskirche. Auch der malerische Kreuzgang mit drei romanischen und einer gotischen Seite kann besichtigt werden.
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Blick auf den Kreuzgang und zentralen Brunnen. Der Kontrast zwischen den gotischen Arkaden links und den romanischen Arkaden rechts ist evident.
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Im Kreuzgang sind ebenfalls schöne Wandmalereien zu sehen.
Ich verbringe eine Menge Zeit in Jung-Sankt-Peter, nicht zuletzt weil der freundliche Kirchenwächter mein Interesse erkennt und mir eine spontane Privatführung gibt. Danach kaufe ich einen kleinen Kirchenführer und Postkarten als Stützen für mein Gedächtnis. Ich habe nicht so viel von dieser Kirche erwartet, aber jetzt bin ich entzückt. Ich empfehle sie voll und ganz jedem, der Straßburg besucht.
Ich begebe mich zum Palais Rohan, dem früheren Sitz der Fürstbischöfe aus dem Geschlecht der Rohan. Heute beherbergt es drei Museen, ein archäologisches Museum, ein Kunstgewerbemuseum und eine Gemäldegalerie. Der Höhepunkt für mich sind die Prunkräume.
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Blick über die Ill auf das Palais Rohan mit dem Turm des Münsters im Hintergrund. Der barocke Palast wurde zwischen 1732 und 1742 errichtet und nahm einige berühmte Gäste auf.
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Darstellung von Ceres, der römischen Göttin des Ackerbaus im sogenannten Synodensaal. Dieser Raum war eine Eingangshalle in der die Palastwache stationiert war. Dem Museumsprospekt zufolge ist dieser Raum "sehr nüchtern und schmucklos gestaltet".
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Das Königliche Schlafgemach diente als, naja, Schlafgemach für königliche Gäste. König Ludwig XV. und Marie Antoinette haben hier geschlafen.
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Auch die Bibliothek ist ziemlich pompös.
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Napoleon Bonaparte hat diesen Raum, ursprünglich ein Arbeitszimmer, als sein Schlafgemach ausgewählt. Allerdings hat er hier niemals tatsächlich geschlafen.
Ich gehe eher schnell durch die Museen. In der Gemäldegalerie finde ich ein paar Bilder besonders ansprechend.
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Melchior Bocksberger, La Création du Monde (Die Erschaffung der Welt), 16. Jahrhundert.
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Nicolas de Largillierre, La Belle Strasbourgoise, 1703. Das ist vielleicht das berühmteste Bild im Museum. Diese Art von Hut war damals in den höheren Straßburger Gesellschaftsschichten in Mode. Modisch ist er vielleicht, aber wahrscheinlich auch ziemlich unpraktisch.
Nach dem das Palais Rohan schließt spaziere ich noch etwas durch die Altstadt, kaufe ein paar Mitbringsel und esse Baeckeoffa, ein traditionelles elsässisches Gericht, das aus Schichten von Fleisch, Erdäpfeln und Gemüse besteht, die in einem Bräter mehrere Stunden lang im Ofen gegart werden. Es ist ein typisches Resteessen, das montags serviert wurde. Schließlich kehre ich ins Hotel zurück. Am nächsten Morgen steige ich in den Zug zurück nach Wien ein.